Der Kinderbuchverlag �Rosowy shiraf� (Rosa Giraffe)

Posted: November 12th, 2012 | Author: | Filed under: 01 Texte, 07 Alles | No Comments »

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Soll die Giraffe braun mit gelben Flecken oder gelb mit braunen Flecken sein? Im Verlag Rosowy shiraf (Rosa Giraffe) entscheiden das die jungen Leser selbst. Der Verlag bringt vorrangig B�cher westlicher Autoren heraus, verlegt aber auch moderne russische Schriftstellerinnen wie Dina Sabitowa, Tatjana Tolstaja und Olga Prochorowa. Im Interview: Verlagsdirektorin Julija Sagatschin �ber Blogs f�r Kinder, russische Kinderschriftsteller und die Alterskennzeichnung von B�chern.

Wie ist Ihr Kinderbuchverlag Rosowy shiraf entstanden?

Angefangen hat alles damit, dass wir feststellten, dass unsere Kinder nichts zu lesen haben. Heute w�rde ich einen solchen Verlag nicht mehr gr�nden, weil es inzwischen sehr viele gute Verlage gibt, die Kinderliteratur in ansprechender Qualit�t herausgeben. Vor f�nf Jahren hingegen gab es solche Verlage noch nicht. Samokat war der einzige.

Wie funktioniert Ihr Verlag, in dem die Kinder auch selbst als Experten agieren?

F�r einen Verleger gibt es viele verschiedene Quellen, aus denen er neue B�cher bezieht. Sehr oft lesen wir Erwachsenen die B�cher selbst, treffen eine Vorauswahl und geben das Buch � wenn es uns gef�llt � den Kindern zum Lesen. Aber oftmals bekommen wir die Informationen von den Kindern selbst. Das l�uft dann so, dass ein Kind ein Buch gelesen hat und sagt: �Mama, wei�t du, was das f�r ein klasse Buch ist, guck mal!�

Sie meinen jetzt vor allem B�cher, die aus anderen Sprachen �bersetzt werden?

Ja, ich meine �bersetzungen, die entweder gerade erst erschienen sind, oder die sogenannte alte Klassik. Ebenso verfahren wir bei der Auswahl der Manuskripte, die uns von Autoren zur Pr�fung eingesandt werden. Einer unserer Redakteure sichtet die Materialien, gibt sie Kindern zum Lesen oder liest sie zun�chst selbst und entscheidet dann, an welches Kind er sie weitergibt.

Wie sieht der Kontakt zu russischen Kinderbuchautoren aus?

Der Anteil russischer Autoren ist bei uns sehr gering. Wir w�rden gerne mehr verlegen. Aber leider bekommen wir nur selten Manuskripte, die uns wirklich interessieren. Ich denke, dass nicht mal 0,5 Prozent der eingereichten Manuskripte dem entsprechen, was f�r uns �berhaupt in Frage k�me.

Wenn es dann aber einmal gr�nes Licht f�r das Buch eines russischen Autors gibt, worum geht es darin dann thematisch? Um etwas, wor�ber ausl�ndische Autoren nicht schreiben?

Dina Sabitowa m�gen wir zum Beispiel sehr. Dina ist die einzige Autorin, bei der wir B�cher in Auftrag geben. Wir haben einen Vertrag mit ihr, so wie das im Westen g�ngige Praxis ist. Sie hat uns ein Angebot unterbreitet und wir haben zugestimmt. Solch einen Fall gibt es in unserem Verlag zum ersten Mal, dass wir dem Autor die Abnahme eines Buches garantieren, ohne es vorher gelesen zu haben.

Haben Sie den Wunsch russische Autoren zu unterst�tzen und auf die Kinderbuchlandschaft in Russland irgendwie Einfluss zu nehmen?

Wir haben das versucht, mit einigen Testprogrammen, aber leider hat sich dadurch an der Qualit�t nichts ge�ndert. Das bringt �berhaupt nichts.

Welche Probleme beziehungsweise Besonderheiten gibt es in der Kinderbuchbranche in Russland generell?

Das erste Problem sind die v�llig �berzogenen staatlichen GOST-Normen f�r die Ver�ffentlichung von Kinderb�chern. F�r jedes Kinderbuch, das wir verkaufen wollen, ben�tigen wir ein Konformit�tszertifikat. Die geltenden Standards sind noch vollkommen sowjetisch gepr�gt und es ist die gro�e Frage, inwiefern sie den Realit�ten entsprechen. Au�erdem gibt es allgemein Probleme mit der neuen Alterskennzeichnung, das gilt auch f�r die auf Erwachsenenliteratur spezialisierten Verlage. Diese Sache ist einfach nicht bis zu Ende durchdacht. In �bereinstimmung mit dem neuen Gesetz wird praktisch jedes Buch unter Verschluss genommen und mit 18+ gekennzeichnet, sobald auch nur die kleinste Sexszene darin vorkommt. Das l�uft im Prinzip auf eine Gleichsetzung solcher B�cher mit einem pornografischen Produkt hinaus. Aber mit Verlaub: Was machen wir dann mit �Schuld und S�hne�? Da geht es um Mord. Ich denke, die Eltern sollten selbst entscheiden, ob ihre Kinder ein bestimmtes Buch lesen d�rfen oder nicht. Diese Frage darf nicht vom Staat entschieden werden.

Kommen wir zu Ihrem Verlag zur�ck. Welche Bedeutung hat f�r einen Verleger die eigene Webseite?

Die Seite bedeutet einfach alles f�r uns! Wir machen auch Vieles �ber die Seite, was auf den ersten Blick nicht unbedingt direkt mit dem Verlag zu tun hat.

Warum gibt es auf Ihrer Seite so viele Blogs? Welches Ziel verfolgen Sie damit?

Der Ausl�ser war, dass wir als Eltern im Internet auf der Suche nach geeignetem Content f�r unsere eigenen Kinder waren. Es gibt verschiedene Informationsblogs f�r Erwachsene, eine unglaubliche Menge sogar. Aber guten Content f�r Kinder gibt es nicht. Deshalb haben wir uns entschlossen, selbst solche Blogs einzurichten, damit unsere Kinder im Internet etwas zu lesen haben.

Der Lehrer Ilja Kolmanowski, auf Ihrer Webseite verantwortlich f�r die Rubrik �Karmanny utschony� (deutsch etwa: Wissenschaft im Taschenformat), hat in einer Fernsehsendung gesagt, dass das Internet f�r ein Kind zur Gefahr werden kann, wenn es damit allein gelassen wird. Das Internet kann aber etwas Positives sein, wenn Eltern ihrem Kind damit etwas schnell und anschaulich erkl�ren und mit Beispielen belegen k�nnen.

Mit dieser Rubrik hat es Folgendes auf sich: Mein �ltester Sohn stellte mir immerzu alle m�glichen Fragen, die ich manchmal nicht beantworten konnte. Unser Papa konnte auch nicht helfen, weil er die ganze Zeit auf Arbeit war. Das Kind will die Antwort und ein kl�rendes Gespr�ch aber jetzt sofort! Ich begann, in diesen F�llen Ilja Kolmanowski anzurufen und er lieferte uns die Antworten. Wissensdurstig und neugierig, wie er ist, sagte Ilja immer: �O.k., ich krieg das raus.� Ilja und mir wurde klar, dass Kinder wie unser Max, die wissbegierig nach Antworten auf ihre vielen Fragen suchen, ganz und gar keine Ausnahme sind. Eine seiner letzten Fragen war zum Beispiel, warum syrniki (deutsch: Quarkkeulchen, w�rtlich eigentlich: �K�sekeulchen� vom russischen Wort �syr� f�r �K�se�) eigentlich syrniki hei�en, obwohl sie doch aus Quark gemacht werden?

Sind Sie auch auf internationalen Messen wie der Messe f�r intellektuelle Literatur Non/Fiction vertreten?

Wir sind auf der Non/Fiction sehr aktiv, wie auf allen anderen gro�en Messen auch. Meist ist auch unsere gesamte Leitung vor Ort. Der direkte Kontakt mit den Lesern ist etwas sehr Spannendes und f�r den Verleger immer von Nutzen.

Julija Sagatschin: Direktorin des Verlags �Rosowy shiraf�

Die Fragen stellte Andreas Fertig.
Goethe-Institut Russland
�bersetzung: Marlies Wenzel
November 2012

Dieser Artikel ist erstmalig auf den Seiten des Goethe-Instituts Russland http://www.goethe.de/Russland/Magazin erschienen.

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